Fedora KDE: was nach der Installation zu tun ist
Fedora liefert aus rechtlichen Gründen keine patentbehafteten Codecs und keine proprietären Treiber mit. Nach der Installation fehlen deshalb ein paar Handgriffe – hier in der Reihenfolge, in der sie Sinn ergeben.
Vorweg: warum Fedora KDE und nicht Linux Mint?
Linux Mint ist die übliche Einsteiger-Empfehlung, und das zu Recht: Codecs sind ab Werk dabei, eine Version wird fünf Jahre gepflegt, es überrascht einen nichts. Wer genau das will, ist dort richtig. Ich bin trotzdem bei Fedora mit KDE Plasma gelandet:
- Aktuelle Hardware läuft einfach. Fedora 44 steht bei Kernel 7.2 und Mesa 26.2. Mint 22 baut auf Ubuntu 24.04 vom April 2024 auf; Mint 23 kommt erst im Dezember 2026 und bringt dann Kernel 7.0 und Mesa 25.3.
- Wayland ist der Normalfall. Plasma läuft bei Fedora ab Werk auf Wayland: Skalierung pro Bildschirm, HDR, variable Bildwiederholrate. Bei Cinnamon bleibt X11 auch in Mint 23 die Voreinstellung.
- Plasma lässt sich einstellen, statt es umzubauen. Leisten, Kacheln, Tastenkürzel, KDE Connect fürs Handy – alles in den Systemeinstellungen.
- Nah am Original. Fedora liefert Plasma, Kernel und Treiber weitgehend so aus, wie die Projekte sie veröffentlichen. Fehler sind dann meist schon woanders gemeldet und gelöst.
Der Preis: alle sechs Monate eine neue Version, jede wird nur rund 13 Monate gepflegt. Das Upgrade ist ein Klick in Discover, aber es ist eben fällig. Und die folgende Liste muss man einmal abarbeiten.
Wer noch schwankt: der LinuxKompass fragt nach Hardware und Geduld und begründet seine Empfehlung.
1. System aktualisieren
sudo dnf upgrade --refresh -y
sudo reboot
2. Firmware aktualisieren
BIOS/UEFI, SSD, Thunderbolt – soweit der Hersteller mitmacht:
sudo fwupdmgr refresh --force
sudo fwupdmgr get-updates
sudo fwupdmgr update
3. RPM Fusion einschalten
Die Quelle für Codecs und proprietäre Treiber:
sudo dnf install \
https://mirrors.rpmfusion.org/free/fedora/rpmfusion-free-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm \
https://mirrors.rpmfusion.org/nonfree/fedora/rpmfusion-nonfree-release-$(rpm -E %fedora).noarch.rpm
sudo dnf update @core
Kontrolle – hier darf nichts mit rawhide auftauchen, das wäre die
Entwicklerversion und führt zu Abhängigkeitsfehlern:
dnf repolist --enabled | grep -i rpmfusion
4. Codecs
Fedoras ffmpeg-free gegen das vollständige FFmpeg tauschen und die
GStreamer-Plugins nachziehen:
sudo dnf swap ffmpeg-free ffmpeg --allowerasing
sudo dnf install @multimedia --setopt="install_weak_deps=False" --exclude=PackageKit-gstreamer-plugin
sudo reboot
Danach spielen Firefox, VLC und Kdenlive H.264, H.265 und AAC.
5. Video-Beschleunigung der Grafikkarte
Nur den Block für die eigene Karte ausführen. Welche das ist, zeigt
lspci | grep -iE "vga|3d".
Intel (ab etwa 2014):
sudo dnf install intel-media-driver
AMD:
sudo dnf install mesa-va-drivers-freeworld
sudo dnf swap mesa-vulkan-drivers mesa-vulkan-drivers-freeworld
NVIDIA – erst den Treiber, dann die Brücke zur Video-Beschleunigung:
| Karte | Paket |
|---|---|
| RTX 20xx, GTX 16xx und neuer | akmod-nvidia |
| GTX 9xx, GTX 10xx | akmod-nvidia-580xx |
| GeForce 600/700 | akmod-nvidia-470xx |
sudo dnf install akmod-nvidia xorg-x11-drv-nvidia-cuda
sudo dnf install libva-nvidia-driver
Für ältere Karten in beiden Paketnamen die Endung ergänzen, etwa
akmod-nvidia-580xx xorg-x11-drv-nvidia-580xx-cuda. Der aktuelle Treiber
lässt sich auf einer GTX 1060 zwar installieren, endet aber mit schwarzem
Bildschirm.
Nach der Installation nicht sofort neu starten: Das Kernelmodul wird im Hintergrund gebaut, das dauert bis zu fünf Minuten. Fertig ist es, wenn hier eine Versionsnummer erscheint:
modinfo -F version nvidia
Bei eingeschaltetem Secure Boot muss das Modul zusätzlich signiert werden, sonst bleibt der Bildschirm ebenfalls schwarz – Anleitung im RPM-Fusion-Wiki.
6. Flathub ohne Filter
Fedora bringt Flathub mit, zeigt aber nur eine Auswahl. Für alles:
sudo flatpak remote-modify --no-filter --enable flathub
Flathub nicht zusätzlich mit --user hinzufügen – sonst steht jede
Anwendung doppelt in Discover.
7. Bei Bedarf
Microsoft-Schriften, damit Word-Dokumente ihren Umbruch behalten:
sudo dnf install cabextract xorg-x11-font-utils fontconfig
sudo dnf install https://downloads.sourceforge.net/project/mscorefonts2/rpms/msttcore-fonts-installer-2.6-1.noarch.rpm
OBS Studio – bei NVIDIA als RPM statt Flatpak, dann funktioniert NVENC ohne Zusatzpakete:
sudo dnf install obs-studio
DVDs abspielen – Rechtslage in Deutschland selbst beurteilen:
sudo dnf install rpmfusion-free-release-tainted
sudo dnf install libdvdcss
Ältere AppImages, die mit einem libfuse.so.2-Fehler abbrechen:
sudo dnf install fuse fuse-libs
Stand
Geprüft im Oktober 2026 auf Fedora 44 KDE. Die Befehle enthalten keine Versionsnummer und gelten ebenso für Fedora 45, das für den 20. Oktober angekündigt ist. In den ersten Tagen nach einer neuen Version hinkt RPM Fusion manchmal hinterher – bei „nichts gefunden” einfach zwei Tage später noch einmal versuchen.