Im Keller steht ein Rechner, der zu schade zum Wegwerfen und zu langsam für den Schreibtisch ist. Genau der richtige Kandidat für Proxmox VE: ein kostenloses Betriebssystem, das nichts anderes tut, als andere Betriebssysteme laufen zu lassen – mehrere gleichzeitig, sauber getrennt, alle über eine Weboberfläche im Browser bedienbar.

Statt fünf Geräten für fünf Aufgaben läuft ein Kasten, auf dem fünf Maschinen wohnen. Jede lässt sich anlegen, sichern, zurückrollen und wieder wegwerfen, ohne dass die anderen etwas davon merken.

Diese Anleitung führt von der leeren Festplatte bis zum ersten laufenden Dienst. Was man anschließend daraufsetzt – Pi-hole, Paperless, ein Minecraft-Server – kommt in eigenen Beiträgen.

Was Proxmox eigentlich macht

Unter der Haube ist Proxmox VE ein Debian mit zwei Zusatztechniken und einer Weboberfläche darüber:

  • KVM für virtuelle Maschinen – ein kompletter, simulierter Rechner mit eigenem Kernel. Darin läuft alles, auch Windows.
  • LXC für Container – ein abgeschotteter Bereich, der sich den Kernel des Wirts teilt. Nur für Linux, dafür sparsam und in Sekunden gestartet.
VM · Windows eigener Kernel Programme VM · Debian eigener Kernel Programme Container · Pi-hole kein eigener Programme Proxmox VE · Debian mit KVM und LXC der alte Rechner · CPU · RAM · SSD · Netzwerkkarte
Oben die Gäste, unten das Blech. Der Container spart sich den eigenen Kernel und nimmt den darunter.

Im Zweifel: Container nehmen. Er braucht einen Bruchteil der Ressourcen, und die meisten Heimdienste sind Linux.

  Virtuelle Maschine Container
Betriebssystem beliebig, auch Windows nur Linux
RAM im Leerlauf ab ~1 GB ab ~64 MB
Startzeit wie ein echter PC Sekunden
Trennung vollständig gut, aber gemeinsamer Kernel

Was der Rechner mitbringen muss

Proxmox ist genügsam. Die harte Bedingung ist eine 64-Bit-CPU mit Virtualisierungserweiterung – Intel VT-x oder AMD-V. Alles ab etwa 2012 hat das.

  Minimum Vernünftig
CPU 64 Bit, VT-x / AMD-V 4 Kerne
RAM 4 GB 16 GB
Systemplatte 32 GB 250 GB SSD
Netzwerk LAN-Kabel LAN-Kabel

RAM ist der Engpass, nicht die CPU – jede Maschine will ihren Teil und gibt ihn nicht wieder her. WLAN ist keine Option: Proxmox baut eine Netzwerk- brücke, und die funktioniert über WLAN nicht zuverlässig.

Ein Punkt für den Mini-PC statt des alten Towers: Der Kasten läuft rund um die Uhr. Ein Tower zieht im Leerlauf leicht 80 W, ein NUC oder ein gebrauchter Thin Client 10 W. Bei 30 ct/kWh sind das 210 € gegen 26 € im Jahr – der Mini-PC hat sich im ersten Jahr bezahlt.

Die Systemplatte wird bei der Installation komplett gelöscht. Nichts draufliegen lassen, was noch gebraucht wird.

Der Stapel Raspberry Pis im Regal

In der Bastler-Community sieht man das Muster ständig: ein Pi für Pi-hole, einer für die Heimautomatisierung, einer für den Dateiserver, einer für das Ding, dessen Zweck man selbst vergessen hat. Vier Netzteile, vier SD-Karten, vier Kabel zum Switch – und jedes Mal, wenn eine SD-Karte stirbt, wird ein Dienst neu aufgesetzt.

Auf einem Proxmox-Kasten sind das vier Container. Ein Netzteil, ein Kabel, eine Oberfläche, ein Backup-Auftrag, der alle vier gemeinsam sichert. Wer neu anfängt oder gerade wieder einen Pi kaufen wollte, fährt mit einem gebrauchten Mini-PC meistens besser: Ein Thin Client mit 16 GB RAM kostet auf dem Gebrauchtmarkt etwa so viel wie zwei Pis samt Zubehör und trägt ein Dutzend Dienste statt einem.

Zwei Gründe bleiben trotzdem für den Pi: GPIO-Pins, wenn etwas an die Stiftleiste soll, und Standorte, an denen 5 Watt und lautloser Betrieb den Ausschlag geben. Alles andere kann der Kasten im Keller mitmachen.

Schritt 1 – USB-Stick vorbereiten

Das ISO gibt es kostenlos bei proxmox.com/downloads unter Proxmox Virtual Environment. Kein Konto nötig.

Unter Linux zuerst den Stick finden – die Ausgabe genau lesen, dd überschreibt wortwörtlich alles:

lsblk

Dann schreiben, sdX durch den gefundenen Namen ersetzen (also sdb, nicht sdb1):

sudo dd if=proxmox-ve_9.0-1.iso of=/dev/sdX bs=4M status=progress oflag=sync
Unter Windows

Rufus nehmen und beim Schreiben DD-Modus wählen, wenn gefragt wird. Der voreingestellte ISO-Modus baut den Stick um, und der Proxmox-Installer startet dann nicht. balenaEtcher macht es ohne Nachfrage richtig.

Schritt 2 – BIOS einstellen

Beim Einschalten ins BIOS (meist Entf, F2 oder F10) und drei Dinge prüfen:

  • Virtualisierung an. Heißt bei Intel Intel Virtualization Technology oder VT-x, bei AMD SVM Mode. Ohne das startet später keine einzige VM.
  • Boot vom USB-Stick. Entweder in der Bootreihenfolge oder einmalig über das Bootmenü (F8, F11, F12 – je nach Hersteller).
  • Secure Boot notfalls aus. Aktuelle Proxmox-Versionen kommen damit klar; wenn der Stick partout nicht startet, ist das der erste Schalter.

Schritt 3 – Installieren

Stick rein, Rechner an, im Menü Install Proxmox VE (Graphical) wählen. Der Rest sind sieben Bildschirme:

  1. Lizenz – zustimmen.
  2. Zielfestplatte – hier wird gelöscht. Unter Options steht das Dateisystem: ext4 ist für eine einzelne SSD genau richtig. ZFS lohnt erst mit mehreren Platten, will viel RAM und verschleißt billige SSDs schnell.
  3. Land, Zeitzone, TastaturGermany, Europe/Berlin, German.
  4. Passwort und E-Mail. Das Passwort ist das des Benutzers root. Eine echte Adresse eintragen, dorthin gehen später Warnungen über fehlge- schlagene Backups.
  5. Netzwerk. Der wichtigste Bildschirm:
    • Hostname muss einen Punkt enthalten, z. B. pve.heim.lan
    • IP-Adresse fest vergeben, außerhalb des DHCP-Bereichs des Routers, z. B. 192.168.178.10/24. Die FritzBox verteilt ab Werk erst ab .20, alles darunter ist also frei für feste Adressen
    • Gateway und DNS ist die Adresse des Routers, bei der FritzBox 192.168.178.1
  6. Zusammenfassung – prüfen, Install.
  7. Neustart – und den Stick ziehen, sonst startet der Installer erneut.

Die feste IP ist kein Schönheitsfehler, sondern Pflicht: Wechselt die Adresse, ist die Oberfläche weg und die Gäste verlieren ihren Anschluss.

Die Adressen 192.168.178.x sind der Standard der FritzBox, weil die hier im Netz hängt. Bei anderen Routern lautet er oft 192.168.0.x oder 192.168.1.x – dann die ersten drei Zahlen überall entsprechend ersetzen.

Schritt 4 – Der erste Login

Nach dem Neustart zeigt der Bildschirm nur noch eine Adresse. Ab jetzt bleibt der Rechner zu – bedient wird er vom Sofa aus im Browser:

https://192.168.178.10:8006

Der Browser warnt vor dem Zertifikat. Das ist in Ordnung, Proxmox stellt sich selbst eins aus; über Erweitert weiterklicken. Anmelden mit Benutzer root, dem vergebenen Passwort und Realm Linux PAM. Die Sprache lässt sich im selben Fenster auf Deutsch stellen – die Anleitung hier bleibt bei den englischen Bezeichnungen, weil die Voreinstellung so ist.

Nach dem Login meldet ein Fenster „No valid subscription”. Das ist die Erinnerung an das kostenpflichtige Support-Abo. Wegklicken, alles funktioniert.

Schritt 5 – Updates einschalten

Frisch installiert zeigt Proxmox bei jedem apt update einen Fehler: Es fragt das Enterprise-Repository, und das gibt ohne Abo nichts heraus. Zwei Klicks, dann stimmt es:

Links den Knoten anklicken (pve), dann Updates → Repositories:

  • Die Zeile mit enterprise markieren und Disable – für pve-enterprise und, falls vorhanden, ceph.
  • Add drücken und No-Subscription auswählen.

Danach in der Konsole (Shell im Menü links) das erste Update:

apt update && apt full-upgrade -y
reboot

Das No-Subscription-Repository liefert dieselben Pakete wie das Enterprise- Repo, nur ohne die zusätzliche Testrunde. Für zu Hause ist das genau richtig.

Schritt 6 – Das Netzwerk verstehen

Proxmox hat bei der Installation eine Brücke namens vmbr0 angelegt. Sie hängt an der Netzwerkkarte, und jeder Gast steckt virtuell dort ein. Für den Router sieht das aus wie ein Switch mit vielen Geräten daran – jede Maschine bekommt ihre eigene IP im Heimnetz und ist direkt erreichbar.

Router · 192.168.178.1 LAN-Kabel Proxmox-Host · 192.168.178.10 vmbr0 · die Brücke im Host Paperless · CT 192.168.178.11 Minecraft · VM 192.168.178.12 Pi-hole · CT 192.168.178.19
Ein Kabel, viele Adressen: Jeder Gast hängt über vmbr0 direkt im Heimnetz.

An der Netzwerkkonfiguration des Hosts danach nichts mehr ändern, solange alles läuft. Ein Tippfehler dort sperrt einen aus – dann hilft nur noch Tastatur und Bildschirm am Gerät selbst.

Schritt 7 – Der erste Container

Zum Ausprobieren ein Debian-Container. Erst die Vorlage holen: links auf local (pve), dann CT Templates → Templates, in der Liste debian-13-standard suchen und Download.

Dann oben rechts Create CT:

  • Hostname: test, Passwort vergeben
  • Template: die eben geladene Vorlage
  • Disk: 8 GB reichen
  • CPU: 1 Kern
  • Memory: 512 MB
  • Network: Bridge vmbr0, bei IPv4 entweder DHCP oder fest 192.168.178.13/24 mit Gateway 192.168.178.1
  • DNS: leer lassen, dann gilt die Einstellung des Hosts

Finish, dann links den Container anklicken, Start, Console. Nach ein paar Sekunden steht dort ein Login-Prompt: root und das vergebene Passwort. Das ist ein vollwertiges Debian – nur eben eines, das man ohne schlechtes Gewissen wieder löscht.

Genau das ist der Sinn der Sache: ausprobieren, kaputtmachen, wegwerfen, neu anlegen. Der echte Rechner merkt nichts davon.

Backups und Snapshots

Zwei verschiedene Dinge, beide unverzichtbar:

Snapshot ist ein Standbild von jetzt. Vor jedem Update einer Maschine einen anlegen (VM anklicken → SnapshotsTake Snapshot), und wenn das Update schiefgeht, ist man in zehn Sekunden wieder im Zustand davor. Snapshots liegen auf derselben Platte – gegen einen Plattenausfall helfen sie nicht.

Backup ist eine vollständige Kopie, die woanders liegen sollte. Unter Datacenter → Backup → Add einen Zeitplan anlegen: alle Gäste, einmal nachts, Modus Snapshot, und unter Retention etwa keep-last 3. Sonst läuft die Platte irgendwann voll.

Der Ernstfall ist damit kein Drama mehr: neue Platte, Proxmox neu installieren, Backup zurückspielen.

Stolpersteine

  • Keine VM startet. Virtualisierung ist im BIOS aus. Häufigster Fehler.
  • Die Oberfläche ist plötzlich weg. Der Host hat per DHCP eine neue Adresse bekommen. Feste IP vergeben, oder im Router eine Reservierung eintragen.
  • apt update meldet einen Fehler. Das Enterprise-Repository ist noch an – siehe Schritt 5.
  • Die Platte ist voll. local-lvm hält die Plattenabbilder der Gäste, local die ISOs, Vorlagen und Backups. Alte ISOs und Backups löschen.
  • ZFS frisst den RAM. ZFS nimmt sich standardmäßig einen erheblichen Teil des Arbeitsspeichers als Cache. Auf einem 8-GB-Rechner lieber ext4.
  • Der Gast hat kein Netz. Meist eine falsche Bridge oder eine IP, die im Netz schon jemand anderem gehört.

Wie es weitergeht

Der Kasten läuft, und er tut noch nichts Nützliches. Das ändert sich in den nächsten Beiträgen – geplant sind Pi-hole als Werbefilter fürs ganze Heimnetz, Paperless als Ablage für Papierkram und ein Minecraft-Server für die Familie. Alle drei landen in je einem eigenen Container auf genau dieser Installation.

Handbuch und Quelle für alles Weitere: pve.proxmox.com/pve-docs · Proxmox-Forum